vom 13. 02. bis 31.12. 2026 im „Brechthaus“ in Augsburg
Kuratorin:
Dr. Ingvild Richardsen
Ausstellungsgestaltung:
Markus Komposch und Christoph Komposch
von der Medienagentur creativeJAM GbR
www.creativejam.de
Medienpartner:
Literatur Radio Hörbahn
„TÜCHER UND BÜCHER“
Hein Kohn, 1907 in Augsburg geboren, Enkel des (jüdischen) Tuchmachers Samuel Kohn, (dessen Ansiedlung 1836 der bayerische König erlaubte) und Sohn des wohlhabenden Augsburger Kaufmanns und Agenten Eugen Kohn, absolviert in Augsburg erst eine Lehre in der Textilbranche, bevor er Volontär in der berühmten Augsburger Buchhandlung Lampart & Comp wird. Dort lernt er Bert Brecht kennen, dem er immer wieder Bücher ausleiht. An der Buchhändlerschule in Leipzig wird Kohn politisch aktiv. Am 5. Mai 1933 – fünf Tage vor der Bücherverbrennung – flüchtet er ins Exil nach Hilversum zu seinem Augsburger Freund Paul Baumgärtner. In Hilversum arbeitet Kohn für den sozialistischen Arbeiterrundfunk VARA. Mit dem gleichfalls nach Hilversum geflüchteten Sänger und Schauspieler Ernst Busch tingelt er für VARA mit einem Unterhaltungsprogramm durch die Niederlande: Busch singt Brechts „Solidaritätslied“ auf Niederländisch, Kohn druckt und verkauft es.
Noch 1933 gründet Kohn in Hilversum seinen ersten Verlag „Boekenvrienden Solidariteit“. Auf Niederländisch druckt und verlegt er, was in Deutschland verbrannt und verbannt wurde. „Brandende Woorden uit Duitschland“ (Brennende Worte aus Deutschland), der erste Titel, ist sofort ausverkauft. 1939 publiziert Kohn Brechts „Dreigroschenroman“ in seinem Verlag „Het Nederlandsche Boekengilde“. 1940, nach der Besetzung der Niederlande durch das NS-Regime, ist Kohn in permanenter Lebensgefahr, seine verlegerischen Aktivitäten setzt er im Untergrund fort. 1951 gründet er eine bis heute bestehende legendäre Literaturagentur: „Internationaal Literatuur Bureau B.V.“, deren Netzwerk bald um die ganze Welt reicht. Die Agentur wird, nachdem Hein Kohns Sohn Menno sie 1970 übernommen hatte, heute in dritter Generation von seiner Enkelin Linda Kohn geführt.
„Internationaal Literatuur Bureau B.V.“ feiert 2026 das 75-jährige Bestehen. Der Schriftsteller Rolf Hochhuth bezeichnete Hein Kohn als den „Kurier des deutschen Geistes in Holland“.
Auch wenn Hein Kohn bis zum Ende seines Lebens in Hilversum lebte, blieb er seiner Heimatstadt doch eng verbunden. Das Logo für seine Agentur gestaltete 1951 der Augsburger Grafiker Eugen Nerdinger. In den 1970er Jahren beauftragte Kohn den bekannten Städtemaler Ernst Metz mit einem Gemälde von Augsburgs Innenstadt. Dieses Gemälde steht im Rahmen der Ausstellung „Tücher und Bücher“ zum Verkauf. In der Ausstellung sind darüber hinaus spannende Objekte aus Augsburg und den Niederlanden zu sehen, darunter auch solche zu Bert Brecht.
Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch der Kuratorin Dr. Ingvild Richardsen im Volk Verlag in München.
Ausstellung und Buch werden gefördert von:
- Ilse Blank-Mezger-Hesselberger Stiftung
- Dr. Eugen Liedl Stiftung Hubertus Altgelt-Stiftung
- Peter Dornier-Stiftung Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung
- Bezirk Schwaben
- Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
- Netzwerk jüdische Geschichte und Kultur in Bay.-Schwaben e.V.






