Tafel 1

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Samuel Kohn (1807-1879)

Der erste jüdische Tuchmacher in Augsburg (1837)

Zu Hein Kohns Vorfahren – Herkunft Tuchfabrikation und Textilhandel

Jüdische Wurzeln:

Die Vorfahren stammten aus bedeutenden jüdischen Landgemeinden in Hohenems (Vorarlberg), Ichenhausen und Steppach (Schwaben) welche vorher alle zu Vorderösterreich gehörten. Die schwäbischen Heimatorte fielen 1805 an das Königreich Bayern.

Das bayerische Judenedikt (1813)

Diese Gesetzgebung gewährte zwar Bürgerrechte und Gewerbefreiheit, schränkte aber durch den „Matrikelpargraphen“ die Zahl jüdischer Familien pro Ort strikt ein. Da Rechte nur an Nachfahren übertragen werden konnten, war ein Wachstum der Gemeinden nahezu ausgeschlossen.

Augsburg als Textilmetropole

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Augsburg zu einem hochindustrialisierten Zentrum der europäischen Textilindustrie. Die Stadt etablierte sich als weltweit vernetzte Handelsmetropole. Für die jüdische Bevölkerung etablierte sich die Textilbranche zu einem wichtigen neuen Berufsfeld.

Die Familie Kohn

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zog der Kaufmann Hirsch Naphtali Kohn († 1827) von Ichenhausen nach Steppach vor die Tore Augsburgs. Er war mit Bertha Perl Kohn verheiratet. Ihre drei Söhne Heinrich, Moritz und Samuel arbeiteten später alle im Textilsektor.

Samuel Kohn (1807–1879): Pionier der Augsburger Textilindustrie

Ausbildung und Wanderjahre

Nach der Schule in Steppach absolviert Samuel Kohn eine Tuchmacherlehre in Augsburg. Von 1830 bis 1833 führt ihn seine Wanderschaft durch Österreich, Tschechien bis nach Holland. Er kehrt als Tuchmacher-Meister (erworben in Weißenburg) zurück.

Der Kampf um die Konzession

1834 ersucht Kohn beim Augsburger Magistrat um Ansiedlung. Trotz Meistertitel, tadellosem Leumund und einem beachtlichen Vermögen von 6.100 Gulden stößt er auf Widerstand.
Sein Fall entwickelt sich zu einem dreijährigen Politikum: Konflikt: Der antijüdisch eingestellte Augsburger Magistrat blockiert das Gesuch.

Wende:
Die tolerantere bayerische Regierung interveniert. Erfolg: Am 1. September 1836 bewilligt der König die Ansiedlung – trotz bereitserfüllter „Judenmatrikel“. 1837 erhält er die finalen Papiere.

Aufstieg zum Qualitätsmarktführer

1837 gründet Kohn seine Tuchweberei in der Jakoberstasse 11 (ab 1842 im Schwalbeneck C34). Produktion: Der Fokus liegt auf hochwertigen, einfarbigen Tüchern. Wachstum: Der Betrieb expandiert auf 25 Webstühle; Der Verkauf erfolgt lokal undauf Fernmärkten. Auszeichnung: Bei der Industrieausstellung 1852 im Rathaus erhält er dieSilbermedaille für herausragende Qualität, insbesondere für seine scharlachrotenund kornblauen Stoffe.

Familie und Erbe

1840 heiratet er die Kaufmannstochter Jette Rosenthal, die aus einer bekannten Textilhandelsfamilie aus Hohenems stammt. Das Paar bekommt acht Kinder, deren Lebenswege die jüdische Vernetzung widerspiegeln (u. a. Textilhandel in Augsburg, Verbindungen nach Köln, New York und Philadelphia).

Strukturwandel und Abschied

In den 1870er Jahren reagiert Kohn auf die Verdrängung der Handweberei durch Fabrikware und stellt den Betrieb auch auf den Handel mit Fremdfabrikaten um. Samuel Kohn stirbt 1879 in Augsburg.

 

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