Tafel 12
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Hommage und Würdigungen
Hein Kohn (1907-1979) - Das Internationaal Literatuur Bureau B.V. unter Menno Kohn und Linda Kohn
Das Vermächtnis des Hein Kohn - „Weitergeben"
1972 - Ein Leben in der internationalen Literaturwelt
Zum 65. Geburtstag stellt Menno Kohn 1972 ein Jubiläumsbuch für seinen Vater zusammen, das sich wie ein Who is Who der internationalen Literaturwelt liest und Kohns Bedeutung als eine zentrale Figur der internationalen Verlags- und Literaturszene dokumentiert. Aus dem Augsburger Lehrling war ein Kosmopolit geworden. Die Beiträge, Fotografien, Zeichnungen, Karikaturen, Texte und persönliche Erinnerungen, stammen vielfach von prominenter Hand, darunter Astrid Lindgren, Anna Seghers und Rolf Hochhuth und Verlage wie Rowohlt, Diogenes und Bertelsmann.
Das Ende einer Ära - Rolf Hochhuths Nekrolog
Nach dem Tod seiner Frau Rosel (1969) lebte Kohn noch zehn Jahre, bevor er am 1. Oktober 1979 während eines Aufenthalts in Kiel nach einem Fahrradunfall verstarb. Die Nachricht löste in der europäischen Literaturwelt tiefe Trauer aus. Zahlreiche Zeitungsartikel erscheinen. Rolf Hochhuth schreibt einen Nekrolog, in dem er Kohns große Bedeutung als Exilverleger, Literaturagent und Kulturvermittler darstellt und Kohns Lebensmaxime preisgibt:
„Weitergeben, das mag zuletzt der Sinn des Lebens sein.“
Brückenbauer und Diplomat
Dass deutsche Literatur nach 1945 in den Niederlanden überhaupt wieder gelesen wurde, ist dem bahnbrechenden Einsatz Kohns zu verdanken, stellte der niederländische Historiker Peter Manasse 1999 fest. Er schrieb das erste Buch über Kohn und präsentierte ihn auch als erster in einer Ausstellung in Amsterdam (Boekenvrienden Solidariteit. Turbulente Jaren van een exiluitgeverij). Kohn überwand die tiefen Gräben der Besatzungszeit. Er vermittelte Autoren unabhängig von ihrer Vergangenheit, wenn er das Werk für bedeutend hielt (z.B. C.W. Ceram oder Hans Hellmut Kirst). Er baute Barrieren ab und wurde zum wichtigsten Botschafter für den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den Niederlanden.
Vom Exilanten zur Legende
Hein Kohns Biografie ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte, die aus der Not der Flucht und Emigration geboren wurde. Er nahm die Herausforderung des Exils sofort an und assimilierte sich schnell (aus Heinz wurde Hein). Er nutzte seine Fähigkeiten und Außenseiterrolle und baute damit eine einzigartige Karriere auf. Das Dasein im Exil machte ihn zum international gefragten Experten. Kohn entwickelte sich zu einem Kosmopoliten, legendären Exilverleger, Literaturagenten und Kulturvermittler der nach 1945 maßgeblich zur Wiederannäherung der Niederlande und Deutschland beitrug. Seine internationale Karriere war eine Folge seines Lebens im Exil. Vielleicht konnte Kohn nur durch die Emigration diese einzigartige Karriere entwickeln?
Dokumentation von Kohns Leben und Wirken - Meilensteine
Seit den 1970er Jahren erschienen Interviews und Artikel, die Kohns Leben und sein Wirken als Exilverleger und Literaturagent beleuchteten.
1971 führte Walter Zadek ein im Deutschen Exilarchiv erhaltenes Audio-Interview mit Hein Kohn auf der Frankfurter Buchmesse durch.
Auch Kohn selbst veröffentlichte Artikel zu seinem Leben und seinen Tätigkeiten auf deutsch und niederländisch, darunter: „Aus dem Leben eines literarischen Agenten“ (Berlin, 1973).
Kohns Wirken wird seit den 1980ern Jahren in verschiedenen Werken zur Exilliteratur verankert, darunter: Deutsches Exilarchiv 1933–1945 (Stuttgart, 1989) und Verlegenim Exil (Bremerhaven, 1997).
In den 1990er Jahren erscheinen in den Niederlanden mehrere Zeitungsartikel über Hein Kohns Lebensleistung, darunter: Peter van Dam: Boekenvrienden Solidariteit-Het Nederlandsche Boekengilde. In: Boekenpost. Nr. 7. 1991/92 und Rene Torley Duwel: Brandende woorden uit Duitsland. 12. Juni 1999. Dagblad van Almere.
1999 veröffentlichte Peter Manasse das erste Buch über Hein Kohns Exil-Verlegertätigkeit: Boekenvrienden Solidariteit. Turbulente jaren van een exiluitgeverij(Den Haag, 1999).
2002 würdigte Gernot Römer, früherer Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen, die große Lebensleistung des gebürtigen Augsburgers Hein Kohn, der leider in seiner Geburtsstadt vergessen sei.
2008 schrieb Nicole Koch eine Magisterarbeit über Hein Kohn, die auch einAudio-Interview mit seinem Sohn Menno Kohn beinhaltet.
Drei Generationen, eine Leidenschaft:
Das Internationaal Literatuur Bureau B.V. von 1973 bis heute
1973–2003: Menno Kohn – Expansion und Modernisierung
1973 übernimmt Hein Kohns Sohn Menno Kohn (geb, 1945) die Agentur. Er reagiert auf den sich wandelnden Markt und die wachsende Vorliebe der Niederländerfür englische und amerikanische Literatur.
Internationalisierung: Massiver Ausbau der Kontakte zu britischen und US-Verlagen (Souvenir Press, MacMillan, Victor Gollancz)
Innovation: Menno Kohn führt computerbasierte Datenbanken sowie gezieltes Marketing ein.
Neue Genres: Er etabliert erfolgreich das Genre der „Do-it-yourself“ Bücher und Gartenratgeber auf dem niederlöndischen Markt.
Seit 2003: Linda Kohn – Tradition trifft Zeitgeist
Mit Linda Kohn, der Enkelin des Gründers, übernimmt die dritte Generation dieLeitung. Als studierte Buchwissenschaftlerin mit mehrjähriger Verlagserfahrung führt sie die Agentur weiter in das digitale Zeitalter. Auch sie führt Neuerungen ein.
Standortwechsel: Umzug des ILB in die niederländische Verlagsmetropole Amsterdam.
Netzwerk 2.0: Einführung moderner Formate wie dem monatlichen Newsletterund der Netzwerkveranstaltung „Linda’s Literaire Lunch".
Erweiterung der Verlagsnetzwerke um neue internationale Partner
Fokus: Verkauf von Übersetzungsrechten, Vermittlung von Bestsellern,Sachbüchern und Titeln des Deutschen Buchpreises.
Ein „Crossover“ der Generationen
Zum 55-jährigen Jubiläum der Agentur Internationaal Literatuur Bureau B.V. veröffentlicht Linda Kohn zusammen mit Merel Leemann das Buch „Cross Over Literature“, das die Geschichte dieses aussergewöhnlichen Familienunternehmens dokumentiert. Bis heute ist das ILB ein wesentlicher Akteur im internationalen Lizenzgeschäft und verbindet die Tradition von Hein Kohn mit zeitgemäßen Strukturen.




